Nach dem niederschmetternden Telefonat musste ich einfach raus. Eine Stunde, sagte die Betreuerin zu mir. Daraus wurden zwei.
Ich schleppe mich hinein, will einfach am Dienstzimmer vorbei, in mein Zimmer. Ich hatte die ernsthafte Hoffnung das sie mich nicht bemerken, und ich nichts erklären müsste.
Ich bin so naiv.
"Hatten wir nicht eine Stunde gesagt? Du musst dich an die Absprachen halten!"
-"Hab nicht auf die Uhr geschaut."
"Dafür muss ich dir den Nachtstempel leider streichen."
Ich lache. Sie bleibt ernst. Beobachtet mich. Schaut auf meine zitternde Beine, und mein müdes Gesicht.
"Willst du mir vielleicht ein wenig von dir erzählen?"
Ich zucke zusammen. Sie klingt so mütterlich, so besorgt.
Ich stehe auf, rede davon das ich zu müde sei und jetzt ins Bett gehen wolle. Sie wünscht mir eine gute Nacht und verspricht mir nachher noch mal nach mir zu schauen.
Schleiche mich leise in mein Zimmer, will Caitlin nicht wecken. Suche meine Klinge. Ich habe sie schon so lang bei mir, aber nichts damit gemacht. Für Notfälle, hatte ich mir immer wieder gesagt. Nur für Notfälle.
Und dies war einer.
Irgendwie habe ich meine Wut und meinen Druck unterschätzt. An meinem Arm klaffen zwei viel zu tiefe Schnitte und viel zu viele kleinere. Kriege Panik, fange an zu heulen. Caitlin wird wach, setzt sich zu mir. Ich sage gar nichts. Sie sieht meinen Arm. Steht auf, geht schnell zur Tür. Sie will zum Dienstzimmer.
Ich will ihr hinterher schreien das sie hier bleiben soll aber ich bekomme kein Wort aus meinem Mund.
Caitlin kommt wieder ins Zimmer, hinter ihr taucht Andrea, die Betreuerin, auf.
Ich solle mitkommen, und mich beruhigen, meint sie.
Sie schaut sich im Dienstzimmer meinen Arm an, nimmt das Telefon und wählt.
"Ja.. Hallo, Patientin mit Schnittverletzungen. Würdest du..ja,genau, .. würdest du es dir einmal anschauen kommen? Meiner Meinung nach müssen welche genäht werden.. bis gleich,ja."
Ich starre einfach nur auf den Boden.
Irgendwann geht die Tür auf und eine sehr stämmige Frau kommt herein. Eine Stationsärztin.
Sie nickt uns kurz zu und beugt sich dann über meinen Arm.
"Krankenhaus.", sagt sie. "Die zwei müssen genäht werden."
Fast hätte ich über Andrea's Gesicht gelacht, aber ich lies es doch bleiben. Sie zeigte ihre Sorge um mich. Sie sorgte sich um jeden hier. Vielleicht sollte sie es besser verstecken.
"Das Intensivste war jedoch ihr Lächeln - das keines war.
Es war die Ahnung eines Lächelns, und David, der jetzt flüsternd das Schweigen brach, sagte etwas, das Noa ins Herz fuhr wie eine spitze, lange Nadel.
"Man sehnt sich danach, dass es wirklich wird, ihr Lächeln. Man sehnt sich so sehr danach, dass man alles dafür tun würde, um es nur einmal zu sehen."
Noa erwiderte nichts."
Isabel Abedi - Whisper
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