Mein Wecker klingelt morgens um fünf, ich stehe auf und stelle mich unter die Dusche, wasche die dreckige Nacht von mir, aber sie geht nie gänzlich weg, ich bleibe schmutzig, ich werde nie wieder so sein wie ich einmal war. Ist das gut?
Steige aus der Dusche, ziehe mir schnell meine Sachen an, hole meine Hausaufgaben raus, nebenbei kaue ich auf meinem Müsli herum, meistens verschätze ich die Zeit und beim nächsten Blick auf die Uhr ist es 6:50. Um 7:00 kommt mein Bus. Räume schnell alles ein, suche mir einen Apfel, und stopfe ihn zu die Schulsachen,
in der Schule wird er ganz zermatscht sein, denke ich jedesmal, aber ändern tue ich daran nie etwas, renne jetzt zur Bushalte Stelle, kaum stehe ich dort, kommt der Bus. Alle drängeln sich rein, ich warte bis alle drinnen sind, steige immer zuletzt ein. Die Busfahrerin schenkt mir wie immer ein müdes Lächeln, und ich schenke ihr meins. Immer mehr Schüler steigen ein, immer mehr Stimmen, immer mehr Leben, ich beobachte sie jedes mal, stelle mir ihren Tag vor, wie sie leben, und ob sie wohl glücklich sind, mit dem was sie sind, und dem was sie haben.
An der Schule angekommen steige ich immer als eine der ersten aus, einige warten noch auf ihre Freundinnen, aber für sowas bin ich wohl einfach nicht der Typ, ich bin immer als erstes in der Klasse, und das ist auch gut so. Langsam füllt sich die Klasse, immer mehr Fragen tauchen auf. "Haben wir was auf gehabt?" - "Sicher, das Frau X da ist?" - "Habt ihr schon gehört
Name ist jetzt mit
Name zusammen!"
Irgendwann sind alle da, und die Lehrerin auch. Ich sitze da, höre zu, mache mir Notizen, bleibe Still wenn andere sich über irgendwas lustig machen, in den Pausen laufe ich immer mit den gleichen Mädchen rum, wir sind zu fünft, und könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber wir mögen uns, und das ist die Hauptsache.
Nach der Schule kommt der richtige Stress für mich. Essen. Nicht alleine, ich hasse es wenn ich mit jemandem Essen muss, ich kriege immer Panik. Hausaufgaben, die ich wieder auf den nächsten morgen verschieben werde, Musik, versuchen den Gedanken auszuweichen.
Ich bin Glücklich, ich bin Glücklich mit meinem Leben. Wiederhole ich immer wieder im Kopf. Dann ist auch schon Abend, nochmal essen, wieder nicht alleine. Am Abend ist es am schlimmsten, dann möchte ich immer am liebsten alles auskotzen, aber ich reiße mich zusammen.
Normale Mädchen tuen sowas nicht, Mila. Du willst normal sein, also verhalte dich auch so. Lenke mich also wieder ab, lese, lese, lese. Verschlinge ein Buch nach dem anderem, gelange immer wieder in andere Leben, und bin jedesmal etwas traurig wenn ich die Person in dem Buch wieder verlassen muss.